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"Meine Sprache wohnt woanders ..."

 

"Ich kehre gern ein- bis zweimal im Jahr nach Deutschland zurück und freue mich auf die Begegnungen mit Menschen, die sich für die jüdische Religion und Kultur interessieren", sagte Lea Fleischmann bei ihrer Lesung in der Regionalbibliothek Weiden am 7. November 2012. 

Der Besuch der 1947 in einem Lager für Displaced Persond in Ulm geborenen Jüdin war mit der Vorstellung ihres Buches "Meine Sprache wohnt woanders - Gedanken zu Deutschland und Israel" ein weiterer Beitrag zum mehrteiligen Projekt des Fördervereins der Regionalbibliothek Pro Libris e. V. zum Lokalen Aktionsplan Weiden "TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" mit Lesungen und einer Ausstellung zu Opfern rechter Gewalt (siehe "Termine").   

Mit sanfter Stimme und in großer Ruhe nahm Lea Fleischmann ihre ZuhörerInnen mit auf eine Lebensreise, die das überschattete Schicksal als Tochter von Holocaustüberlebenden einfühlsam schilderte. Die extremen seelischen und körperlichen Leiden der Eltern, das stets über allem schwebende dunkle Kapitel, nach dem man nicht zu fragen wagte, weil es die Eltern noch mehr niedergedrückt hätte, die Schikanen durch die Bürokratie des Nachkriegsdeutschlands, dass den Überlebenden des Nazi-Terrors die karge Sozialhilfe als "Wiedergutmachung" anbot. All das beschrieb die Autorin ehrlich und unprätentiös in einer klaren und treffenden Sprache. 

Ihr Lebensweg führte die Autorin von dem einer hessischen Lehrerin, doppelt belastet von Beruf und Familie, motiviert von feministischem Gedankengut zu einem großen Bruch samt Scheidung und Auswanderung nach Jerusalem. Bewegend war in den Texten die Wandlung der stets Suchenden zur Findenden zu verfolgen: Durch die Begegnung mit der jüdischen Kultur fand und findet Lea Fleischmann zu ihren Wurzeln und zu sich selbst.

In drei Büchern (erschienen im Scherz Verlag) vermittelt Lea Fleischmann Nichtjuden die jüdische Kultur: Die Titel lauten "Rabbi Nachman und die Thora", "Schabbat" und "Heiliges Essen".

In einem ausführlichen Frageteil wichen weder Besucher noch Autorin heiklen Fragen aus, wie etwa dem Kölner Urteil zur Beschneidung, dem Nahost-Konflikt, der Poesie eines Günter Grass und dem arabischen Frühling. In ihren ehrlichen Anworten untermauerte Lea Fleischmann ihre Rolle als wertvolle Partnerin im deutsch-jüdischen Dialog und äußerte eine gewisse Hoffnung für ihr Land: Das Fortschreiten der Demokratisierung der arabischen Länder könne eventuell auch Juden ein friedliches Zusammenleben mit Palästinensern im selben Land ermöglichen ...    

Hausherrin Sabine Guhl und Maximiliane Biedermann (Thomas-Dehler-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung) konnten neben der Autorin rund vierzig Personen begrüßen bei der  Veranstaltung, die von einem breiten Netzwerk aus Regionalbibliothek, der Thomas-Dehler-Stiftung, der Freidrich-Naumann-Stiftung, der Katholischen Erwachsenenbildung Weiden-Neustadt, der Jüdischen Gemeinde Weiden und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit getragen wurde.