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Zwischen Windelwickeln und Straßenkampf

Ellen Esen sprach in der Regionalbibliothek Weiden über Mädchen und Frauen in der rechten Szene

Sie sind attraktiv, gut ausgebildet, oft Akademikerinnen und führen ein scheinbar bürgerliches Leben. Ihre Kinder tragen gut germanische Namen wie etwa Vilja Edelgard oder Osrun, eventuell auch mal gemixt Kevin Odin, stecken in schwarzen Baby-T-Shirts mit unkonventionellen Aufschriften wie "Kleiner Heide" und ähnlichem. Man trifft sich in "nationalen Krabbelgruppen", bietet Grillfeste und Familienausflüge an. Doch hinter der Fassade wird nationalsozialistisches Gedankengut gepflegt, achtet man streng auf die Reinheit  "arischen" Blutes, erzieht Kinder dazu, "national wohlgeraten" zu sein und spricht Ausländern das Recht ab, in Deutschland leben und arbeiten zu dürfen.  Frauen werden in der Naziszene gern zur "Feindaufklärung" eingesetzt und besetzen teils einflussreiche Positionen.
Die Politikwissenschaftlerin und Pädagogin Ellen Esen aus Karlsruhe konnte ihren Zuhörern am 22. November 2012 in der Regionalbibliothek Weiden aufgrund ihrer jahrelangen persönlichen Kontakten zu Frauen der rechssextremistischen Szene Deutschlands ein zum Teil unerwartetes Bild dieser Frauen zeichnen.
"Meistens wird die Naziszene durch gewaltbereite Männer bestimmt, doch wer die Rolle der Frauen darüber vergisst, der verfehlt das Thema," stellte Ellen Esen fest und erinnerte in diesem Zusammenhang an Beate Zschäpe als Mitglied des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund).
In Wort und Bild schilderte die Referentin die Schicksale jüngerer und älterer Frauen, die zum Teil noch der Erlebnis-Generation angehörten und hoch verehrt werden, und informierte  über rechtsextreme Frauenorganisationen wie den "Ring nationaler Frauen", aber auch Erscheinungsformen wie den "Düütschen Deerns" oder dem rechten Frauen-Fußballverein "Ballküren". 

  

Ellen Esen beleuchtete am 21. November 2012 in der Regionalbibliothek den oft vernachlässigten Aspekt: "Frauen in der rechtsextremen Szene".

Durchgeführt wurde die Veranstaltung von Arbeit und Leben Bayern gGmbH und dem Aktionsbündnis "Weiden ist bunt".