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Vom Schicksal jüdischer Keramikerinnen

Eva Zeisel-Striker, Marguerite Friedländer-Wildenhain und Margarete Heymann-Loebenstein-Marks waren alle drei starke Frauen. Gefördert von modernen und gutsituierten Eltern und verschrieben sich lebenslang der Keramik, obwohl sie als Frauen von den Kunstakademien in den Zwanziger Jahrend des 20. Jahrhunderts an Kunstschulen abgedrängt wurden. Doch das konnte sie nicht daran hindern, trotz vieler Hürden international maßgebende Karrieren zu machen, den Holocaust zu überleben und sehr alt zu werden.
Stefanie Dietz, Kunsthistorikerin und Leiterin des Internationalen Keramik-Museums Weiden führte am dritten Oktobersonntag im Rahmenprogramm zur Anne-Frank-Ausstellung 16 Personen durch die Räume des Waldsassener Kastens und stellte Arbeiten und Leben dreier großer deutscher Keramikerinnen vor, die wegen ihrer jüdischen Abstammung nach 1933 Deutschland verlassen mussten und im Ausland große Erfolge feierten.
Einen besonderen bitteren Geschmack empfanden die Teilnehmer der Führung bei einem bebilderten Ausschnitt der NS-Zeitung "Der Angriff", wo verschiedene Serviceteile der avantgardistischen Margarete Heymann-Loebestein-Marks mit arkadischen Arbeiten von Hedwig Bollhagen gegenübergestellt wurden  - zum verletzend rhetorisch fragenden Untertitel: "Zwei Rassen fanden verschiedene Formen für den gleichen Zweck: Welche ist schöner?"
Die Führung zur Anne-Frank-Ausstellung im Neuen Rathaus von Weiden i.d. OPf- stand in engem Bezug zur laufenden Kabinettausstellung  "Ton in Ton - Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933" im Jüdischen Museum Berlin. Die Ausstellung ist dort bis zum 9. Februar 2014 zu besuchen.
Näheres zu den Keramikerinnen, von denen sich Exponate im Internationalen Keramik-Museum Weiden (Zweigmuseum der Neuen Sammlung München) befinden:
Eva Zeisel-Striker (1906 geboren in Budapest, verstorben 2011 in New York) wurde 1928 nach Abschluss einer Töpferlehre eine vom Bauhausstil stark beeinflusste Designerin für die Schramberger Majolika. 1932 ging die Keramikerin die Sowjetunion und wurde dort künstlerische Leiterin der Keramikindustrie. Als verdächtige Mitverschwörerin bei einem Attentat auf Stalin wurde sie für ein Jahr inhaftiert und danach nach Österreich ausgewiesen. Von dort floh sie 1938 vor den Nazis und ging über England nach New York, wo ihre Porzellanentwürfe weltweite Verkaufsschlager wurden.
Marguerite Friedländer-Wildenhain (1896 bis 1985), entstammte einer französischen Seidenhändlersfamilie, absolvierte ihre Lehre in der Töpferei des Bauhauses und wurde dort Werkstattmeisterin. Von 1925 bis 1933  setzte sie auf Burg Giebiechenstein (Kunsthochschule Halle) Maßstäbe für die Keramikgestaltung, sie emigrierte 1933 in die Niederlande und später in die USA.
Die Bauhausschülerin Margarete Heymann-Loebenstein-Marks (1899 bis 1990) führte die Hael-Werkstätten in Marwitz bei Berlin. Ab 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten als "entartet" bedroht, und musste ihre Werkstätten unter Wert an Hedwig Bollhagen veräußern. Margarete Heymann-Loebenstein-Marks floh nach Großbritannien und produzierte dort ihre "Greta Pottery" in Stoke-on-Trent. Für ihre unter Wert verkaufte Firma erhielt sie 1985 eine Entschädigung durch die Bundesrepublik Deutschland.