Beiträge

Projekt Abraham - Vortrag zur Gründung der modernen Türkei

Mustafa Köksal, Stadträtin Dr. Sema Tasali-Stoll und Herbert Schmid führten durch den Vortragsabend am 29. Oktober, dem Nationalfeiertag der Türkei.

Die Werte von friedlichem Zusammenleben und demokratischem Meinungsaustausch standen im Mittelpunkt des Vortragsabends im Stadtteilzentrum Café Mitte mit vierzig deutschen und türkischen Gästen. Genau am Nationalfeiertag der Türkei, am 29. Oktober lud das interreligiöse Projekt Abraham zum Vortragsabend mit den Rednern Herbert Schmid und Dr. Sema Tasali-Stoll ein.

Veranstalter war der Verein Anadoluspor mir seinem Vorsitzenden Hayrettin Akkay. Dr. Tasali-Stoll schilderte den Ende des 19. Jahrhunderts zunehmenden Verfall des Omanischen Reiches, das Bündnis mit dem Deutschen Kaisserreich am 2. August 1914 angesichts des Ersten Weltkrieges und die intensiven deutsch-türkischen Beziehungen dieser Zeit, die leider in Vergessenheit geraten sind. Eben dieser Tatbestand hatte Mustafa Köksal auf die Idee zur Veranstaltung gebracht: in Gesprächen hatte der Weidener immer wieder festgestellt, dass altersmäßig über Vierzigjährige noch Einiges über diese Zeit wissen, die Jüngeren dafür aber eigentlich nichts mehr.

Dr. Tasali-Stoll führte ihren Hörern die Wirren der Jahrhundertwende mit ihren starken Umbrüchen klar vor Augen und erklärte die sechs Prinzipien des Kemalismus, er die Türkei in die Moderne führte. Sehr deutlich wurde der starke Umbruch für die Türkinnen und Türken deutlich, die ihre orientalische Kleidung abzulegen hatten (der Fez wurde strikt verboten, zum Schleier der Frauen gibt es keine Aussage). Zudem musste eine neue Schrift und der gregorianische Kalender angenommen werden. Die Hauptstadt Istanbul verlor ihren Status an Ankara. 1928 wurde der Islam als Staatsreligion abgeschafft. Diese kemalistische Revolution ebnete der Türkei den Weg in die Moderne.   

Herbert Schmid (Geschäftsführer von Arbeit & Leben Bayern) erinnerte in diesem Zusammenhang die Hörer an einen zu Unrecht vergessenen Weidener: Franz Babinger (1891 bis 1967) war ein renommierter Historiker und Orientalist, der 1911 in München promovierte, danach an der deutschen Militärmission im Ersten Weltkrieg in der Türkei teilnahm, sich 1921 in Berlin habilitierte und dort eine Professur innehatte, bis er 1934 wegen seiner Kritik am Naziregime seines Lehrstuhls enthoben wurde. Im Exil lehrte der Orientalist und Spezialist für das Leben von Mehmet dem Eroberer in Bukarest/Rumänien. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Babinger in München von 1948 bis 1958 wieder einen Lehrstuhl bekleiden. Zum Ende seiner Ausführungen lag wie von selbst eine Idee im Raum: in Weiden könnte doch eine Straße nach Franz Babinger benannt werden. Die anwesenden Stadträte werden sich dafür einsetzen. 

 

 

Dr. Sema Tasali-Stoll