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Ausstellung der Hans-Scholl-Realschule

„Das Konzentrationslager Flossenbürg – Die SS als Wirtschaftsunternehmen“

 

Bei der feierlichen Eröffnung: (von links:) Schulleiter Stefan Harbauer, Zeitzeuge Michael Smuss mit Frau, Susanne Reinhardt (Lokale Koordinierungsstelle), Andreas Klier (Stadtjugendring), Wolfgang Bäumler (Vantage Film) und Lehrer Johannes Paar.

Der heute 87jährige Zeitzeuge Michael Smuss brachte Schülern seine Geschichte von Ghetto, Lagerhaft und Todesmarsch nahe. Im Anschluss an das Zeitzeugengespräch eröffnete er eine Austellung von Schülern zum Thema „Die SS als Wirtschaftsunternehmen“.

„Das demokratische Deutschland ist ein Wunder. Möglich gemacht haben es verantwortungsvolle Lehrer und Lehrerinnen.“

Dieses ist eines von vielen Zitaten, mit denen Michael Smuss – Überlebender des KZ Flossenbürg – die Schüler der Hans-Scholl-Realschule am Freitag, den 20. Juli 2012, in seinen Bann zog. Herzlich und sehr persönlich schilderte er sein Leben, unter anderem seine Zeit beim Warschauer Ghettoaufstand 1943, die Lagerhaft in Flossenbürg und den Todesmarsch. Dass er 1945 befreit war, hatte er erst gemerkt, als er bei medizinischer Betreuung erwachte. Der Draht, mit dem seine Kleidung „zusammengenäht“ war, hatte ihm schwere Scheuerverletzungen zugefügt. „Das hatte eine große Theatralik wegen des vielen Blutes – ich wurde dann als VIP im Lazarett behandelt.“ Nach dem Krieg emigrierte er in die USA, erzählte aber Frau und Kindern nichts über sein Holocaust-Schicksal, wollte sie nicht belasten. Erst seit 1993 redet er offen und auf Vorträgen über seine Vergangenheit. „Nach dem Krieg mussten wir nach vorne schauen – Yankees werden.“

„Als Jugendlicher heute hat man es schwerer als früher.“

Bemerkenswert ist seine Art, sich für die Schüler zu interessieren. Auch bei der Eröffnung der Ausstellung „Das Konzentrationslager Flossenbürg – Die SS als Wirtschaftsunternehmen“ geht er auf die Schüler ein, die diese Ausstellung gestaltet haben, besteht auf Fotos zusammen mit einzelnen Schülern. „Woher kommst Du? Was wirst Du nach der Schule machen? Du bist aus dem Osten! Woher? Kasachstan? Ich kannte da einen…“. Dass macht es den Schülern der 9. Klasse leicht, am Ball zu bleiben und hat eine menschliche Dimension, die Schulbücher nicht bieten können. Schulleiter Stefan Harbauer dankte Herrn Smuss und seiner Frau für ihr Kommen. Susanne Reinhardt (Stadt Weiden) und Andreas Klier (Stadtjugendring Weiden) betonten in ihrem Grußwort die Wichtigkeit das Wachhalten der Erinnerungen an die Geschichte als wichtigem Teil der Prävention rechten Gedankenguts. Für die Firma VANTAGE Film GmbH – wichtiger Sponsor im Projekt – und für den Förderverein gleichzeitig sprach Hr. Bäumler, während ein Filmteam seiner Firma die ganze Veranstaltung mit mehreren Kameras und Tontechnik aufnahm.

„Die Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl war für uns im Warschauer Ghetto ein wichtiger Funke – zwei Tage später wurde dort auf die SS geschossen.“

Die Hans-Scholl-Realschule bietet das Projekt „Arbeitskreis Flossenbürg“ unter der Leitung von StR Johannes Paar für Schüler an, die sich ein vertieftes Wissen über die NS-Zeit aneignen wollen, z.B. durch Besuch der Gedenkstätte und des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg. Ausgestattet mit Bundesmitteln des Programms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ sollen diese Schüler dann an anderen Schulen Jugendliche fit machen für den Besuch der Gedenkstätte Flossenbürg mittels eines Vortrags, eines Films und der neu eröffneten Ausstellung. Lehrer können das Team „buchen“ und so das Gesamtpaket an ihre Schule holen.

Die am Freitag eröffnete Ausstellung basiert auf den Ausstellungen der Gedenkstätte Flossenbürg und war nur mit deren Einwilligung und Hilfestellung möglich. Sie zeigt das System, in dem Zwangsarbeiter an Firmen verliehen wurden und die Häftlinge, die diese Zwangsarbeit ausführten.

Wer sich für die Ausstellung interessiert, die nicht öffentlich ist, kann sie ab dem 1. August 2012 auf der Homepage der Schule im Internet betrachten unter http://www.hans-scholl-rs.de.